Technische Analyse·~6 Min. Lesezeit

Technische Analyse: So liest du Charts und erkennst Trends

Technische Analyse bedeutet: Entscheidungen auf Basis von Kursverläufen und Indikatoren treffen — nicht auf Basis von Bilanzen oder Geschäftsberichten. Klingt abstrakt, ist aber erlernbar. Dieser Artikel legt das Fundament.

Was ist technische Analyse — und was unterscheidet sie von Fundamentalanalyse?

Es gibt zwei grundlegende Ansätze, um Aktien zu bewerten. Die Fundamentalanalyse analysiert das Unternehmen selbst: Gewinn, Umsatz, Kurs-Gewinn-Verhältnis, Verschuldung, Wachstumsperspektiven. Die Technische Analyse ignoriert das bewusst — und analysiert stattdessen den Kurschart und ergänzende Indikatoren.

Die Grundannahme der technischen Analyse: Alle verfügbaren Informationen — auch fundamentale Daten, Nachrichten, Insiderwissen — sind bereits im aktuellen Kurs eingepreist. Der Chart zeigt Angebot und Nachfrage und damit das Verhalten aller Marktteilnehmer. Beide Ansätze schließen sich nicht aus — viele aktive Trader nutzen beide.

Fundamentalanalyse

Kernfrage

Was ist das Unternehmen wert?

  • Gewinn, Umsatz, KGV
  • Verschuldungsquote
  • Wachstumsperspektiven
  • Branche und Marktumfeld

Technische Analyse

Kernfrage

Was macht der Kurs gerade?

  • Kursverlauf und Chart-Muster
  • Momentum-Indikatoren (RSI)
  • Trendfilter (EMA)
  • Handelsvolumen

Die wichtigsten Chart-Typen

Bevor Indikatoren eine Rolle spielen, muss man den Chart lesen können. Es gibt drei verbreitete Darstellungsformen — mit unterschiedlichem Informationsgehalt.

Linienchart

Verbindet alle Schlusskurse mit einer Linie. Einfach abzulesen, aber informationsarm — er zeigt nur, wo die Aktie am Ende jedes Handelstages stand. Gut für einen schnellen Überblick über den Trend.

Candlestick-Chart (Kerzen-Chart) — Profi-Standard

Zeigt für jeden Handelstag vier Datenpunkte: Eröffnungskurs, Schlusskurs, Tageshoch und Tagestief. Der Kerzenkörper zeigt die Spanne zwischen Eröffnung und Schluss.

Grüner Körper

Schlusskurs > Eröffnung — Kurs ist gestiegen

Roter Körper

Schlusskurs < Eröffnung — Kurs ist gefallen

Balkenchart (OHLC)

Enthält dieselben vier Datenpunkte wie der Candlestick, aber ohne farbigen Körper — nur vertikale Striche mit horizontalen Markierungen. Weniger verbreitet und schwerer intuitiv zu lesen.

Signalfolio-Hinweis: Der Elliott-Wave-Analyzer nutzt Candlestick-Charts. Fur Einsteiger ist der Linienchart zunächst einfacher — der Umstieg auf Candlesticks lohnt sich, sobald man Trends und Indikatoren verstanden hat.

Trend erkennen — Aufwärts, Abwärts, Seitwärts

Die wichtigste Frage in der technischen Analyse lautet: In welche Richtung bewegt sich der Kurs? Ein Trend besteht nicht aus einer geraden Linie — er enthält immer Rücksetzer und Erholungen. Entscheidend ist das Muster der Hochs und Tiefs.

Aufwartstrend

  • Höhere Hochs
  • Höhere Tiefs
  • Rücksetzer enden höher als der vorherige

Abwärtstrend

  • Tiefere Hochs
  • Tiefere Tiefs
  • Erholungen scheitern früher als die vorherige

Seitwärtsmarkt

  • Weder klare Hochs noch klare Tiefs
  • Konsolidierung
  • Abwarten — kein klares Setup

Als praktischen Trendfilter nutzen aktive Trader den EMA20 und EMA50 — exponentielle gleitende Durchschnitte. Liegt der Kurs über dem EMA20 und EMA50, spricht das für einen intakten Aufwärtstrend. Liegt er darunter, warnt das vor fortgesetztem Abwärtsdruck.

Mehr dazu im Detailartikel: EMA-Indikator erklärt →

Support und Resistance

Neben Trends zeigt der Chart historische Kursniveaus, an denen der Markt mehrfach reagiert hat — in beide Richtungen.

Support (Unterstützung)

Ein Kursniveau, bei dem die Aktie in der Vergangenheit mehrfach nach oben abgeprallt ist. Viele Käufer warten an diesem Level — die Nachfrage überwiegt dort regelmäßig das Angebot. Aktien mit intaktem Aufwärtstrend prallen an Support-Zonen ab, bevor der Anstieg weitergeht.

Resistance (Widerstand)

Ein Kursniveau, bei dem die Aktie mehrfach nach unten abgeprallt ist. Viele Verkäufer warten an diesem Level — das Angebot übersteigt dort die Nachfrage. Aktien im Aufwärtstrend müssen Resistance-Zonen nach oben durchbrechen, um neue Hochs zu erreichen.

Polarity — Rollenwechsel

Ein gebrochenes Support-Level wird oft zur Resistance — und umgekehrt. Das nennt sich Polarity. Der Kurs kehrt häufig an ein solches Level zurück, um es zu testen, bevor er die neue Richtung fortsetzt.

Wichtig: Support- und Resistance-Level sind Zonen, keine exakten Kurse. Eine Aktie prüft oft mehrfach ein Level, bevor sie durchbricht oder abprallt. Exakte Cent-genaue Niveaus gibt es in der Praxis nicht.

Die wichtigsten Indikatoren — mit internen Links

Indikatoren sind mathematische Berechnungen auf Basis von Kursdaten. Sie helfen, Momentum, Trend und Volatilität zu quantifizieren. Kein Indikator funktioniert allein — erst die Kombination mehrerer liefert belastbare Signale.

Signalfolio-Hinweis: Kein Indikator ist allein ausreichend. Signalfolio kombiniert RSI, EMA und Volumen für alle Scanner-Setups — erst wenn alle drei übereinstimmen, entsteht ein belastbares Signal.

Nächster Schritt

Alle Indikatoren im Detail

Alle Indikatoren und Konzepte aus diesem Artikel haben eigene Detailartikel im Lernbereich.

Hinweis: Technische Analyse basiert auf historischen Kursdaten und ist keine Garantie zukünftiger Kursentwicklungen. Alle Inhalte auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Anlageberatung gemäß § 34b WpHG dar. Investieren ist mit Verlustrisiken verbunden.