Was ist technische Analyse — und was unterscheidet sie von Fundamentalanalyse?
Es gibt zwei grundlegende Ansätze, um Aktien zu bewerten. Die Fundamentalanalyse analysiert das Unternehmen selbst: Gewinn, Umsatz, Kurs-Gewinn-Verhältnis, Verschuldung, Wachstumsperspektiven. Die Technische Analyse ignoriert das bewusst — und analysiert stattdessen den Kurschart und ergänzende Indikatoren.
Die Grundannahme der technischen Analyse: Alle verfügbaren Informationen — auch fundamentale Daten, Nachrichten, Insiderwissen — sind bereits im aktuellen Kurs eingepreist. Der Chart zeigt Angebot und Nachfrage und damit das Verhalten aller Marktteilnehmer. Beide Ansätze schließen sich nicht aus — viele aktive Trader nutzen beide.
Fundamentalanalyse
Kernfrage
Was ist das Unternehmen wert?
- Gewinn, Umsatz, KGV
- Verschuldungsquote
- Wachstumsperspektiven
- Branche und Marktumfeld
Technische Analyse
Kernfrage
Was macht der Kurs gerade?
- Kursverlauf und Chart-Muster
- Momentum-Indikatoren (RSI)
- Trendfilter (EMA)
- Handelsvolumen
Die wichtigsten Chart-Typen
Bevor Indikatoren eine Rolle spielen, muss man den Chart lesen können. Es gibt drei verbreitete Darstellungsformen — mit unterschiedlichem Informationsgehalt.
Linienchart
Verbindet alle Schlusskurse mit einer Linie. Einfach abzulesen, aber informationsarm — er zeigt nur, wo die Aktie am Ende jedes Handelstages stand. Gut für einen schnellen Überblick über den Trend.
Candlestick-Chart (Kerzen-Chart) — Profi-Standard
Zeigt für jeden Handelstag vier Datenpunkte: Eröffnungskurs, Schlusskurs, Tageshoch und Tagestief. Der Kerzenkörper zeigt die Spanne zwischen Eröffnung und Schluss.
Grüner Körper
Schlusskurs > Eröffnung — Kurs ist gestiegen
Roter Körper
Schlusskurs < Eröffnung — Kurs ist gefallen
Balkenchart (OHLC)
Enthält dieselben vier Datenpunkte wie der Candlestick, aber ohne farbigen Körper — nur vertikale Striche mit horizontalen Markierungen. Weniger verbreitet und schwerer intuitiv zu lesen.
Signalfolio-Hinweis: Der Elliott-Wave-Analyzer nutzt Candlestick-Charts. Fur Einsteiger ist der Linienchart zunächst einfacher — der Umstieg auf Candlesticks lohnt sich, sobald man Trends und Indikatoren verstanden hat.
Trend erkennen — Aufwärts, Abwärts, Seitwärts
Die wichtigste Frage in der technischen Analyse lautet: In welche Richtung bewegt sich der Kurs? Ein Trend besteht nicht aus einer geraden Linie — er enthält immer Rücksetzer und Erholungen. Entscheidend ist das Muster der Hochs und Tiefs.
Aufwartstrend
- Höhere Hochs
- Höhere Tiefs
- Rücksetzer enden höher als der vorherige
Abwärtstrend
- Tiefere Hochs
- Tiefere Tiefs
- Erholungen scheitern früher als die vorherige
Seitwärtsmarkt
- Weder klare Hochs noch klare Tiefs
- Konsolidierung
- Abwarten — kein klares Setup
Als praktischen Trendfilter nutzen aktive Trader den EMA20 und EMA50 — exponentielle gleitende Durchschnitte. Liegt der Kurs über dem EMA20 und EMA50, spricht das für einen intakten Aufwärtstrend. Liegt er darunter, warnt das vor fortgesetztem Abwärtsdruck.
Mehr dazu im Detailartikel: EMA-Indikator erklärt →
Support und Resistance
Neben Trends zeigt der Chart historische Kursniveaus, an denen der Markt mehrfach reagiert hat — in beide Richtungen.
Support (Unterstützung)
Ein Kursniveau, bei dem die Aktie in der Vergangenheit mehrfach nach oben abgeprallt ist. Viele Käufer warten an diesem Level — die Nachfrage überwiegt dort regelmäßig das Angebot. Aktien mit intaktem Aufwärtstrend prallen an Support-Zonen ab, bevor der Anstieg weitergeht.
Resistance (Widerstand)
Ein Kursniveau, bei dem die Aktie mehrfach nach unten abgeprallt ist. Viele Verkäufer warten an diesem Level — das Angebot übersteigt dort die Nachfrage. Aktien im Aufwärtstrend müssen Resistance-Zonen nach oben durchbrechen, um neue Hochs zu erreichen.
Polarity — Rollenwechsel
Ein gebrochenes Support-Level wird oft zur Resistance — und umgekehrt. Das nennt sich Polarity. Der Kurs kehrt häufig an ein solches Level zurück, um es zu testen, bevor er die neue Richtung fortsetzt.
Wichtig: Support- und Resistance-Level sind Zonen, keine exakten Kurse. Eine Aktie prüft oft mehrfach ein Level, bevor sie durchbricht oder abprallt. Exakte Cent-genaue Niveaus gibt es in der Praxis nicht.
Die wichtigsten Indikatoren — mit internen Links
Indikatoren sind mathematische Berechnungen auf Basis von Kursdaten. Sie helfen, Momentum, Trend und Volatilität zu quantifizieren. Kein Indikator funktioniert allein — erst die Kombination mehrerer liefert belastbare Signale.
RSI — Relative Strength Index
Misst Momentum: Wie stark ist die Aktie zuletzt gestiegen oder gefallen? RSI unter 30 gilt als überverkauft, über 70 als überkauft. Signalfolio nutzt den RSI in allen 5 Scanner-Strategien.
EMA — Exponential Moving Average
Trendfilter: Liegt der Kurs über oder unter dem EMA20 und EMA50? Der EMA gewichtet jüngere Kursdaten stärker als der einfache Durchschnitt und reagiert schneller auf Trendwechsel.
ATR — Average True Range
Volatilitätsmessung: Wie groß ist die durchschnittliche Tagesbewegung einer Aktie? Der ATR ist das Standardwerkzeug für die Berechnung von Stop-Loss-Abstanden — unabhängig vom absoluten Kursniveau.
MACD — Moving Average Convergence Divergence
Kombiniert zwei EMAs (12 und 26 Tage) und zeigt deren Differenz als Linie an. Kreuzt die MACD-Linie die Signallinie von unten, gilt das als bullisches Signal. Der MACD misst gleichzeitig Trend und Momentum — ist dafür aber schwieriger zu lesen als RSI oder EMA. Kein separater Artikel vorhanden; der RSI-Artikel deckt Momentum-Grundlagen ab.
Signalfolio-Hinweis: Kein Indikator ist allein ausreichend. Signalfolio kombiniert RSI, EMA und Volumen für alle Scanner-Setups — erst wenn alle drei übereinstimmen, entsteht ein belastbares Signal.
Verwandte Artikel
Nächster Schritt
Alle Indikatoren im Detail
Alle Indikatoren und Konzepte aus diesem Artikel haben eigene Detailartikel im Lernbereich.
Hinweis: Technische Analyse basiert auf historischen Kursdaten und ist keine Garantie zukünftiger Kursentwicklungen. Alle Inhalte auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Anlageberatung gemäß § 34b WpHG dar. Investieren ist mit Verlustrisiken verbunden.