Technische Analyse·~7 Min. Lesezeit

Was ist der RSI-Indikator?

Überkauft, überverkauft, Trend — der RSI ist einer der meistgenutzten technischen Indikatoren. Hier erfährst du, was er misst, was die Werte bedeuten und wie Signalfolio ihn in allen 5 Scan-Strategien einsetzt.

Was ist der RSI?

RSI steht für Relative Strength Index — auf Deutsch: Relativer-Stärke-Index. Entwickelt 1978 von J. Welles Wilder, misst er, wie stark eine Aktie in den letzten 14 Handelstagen gestiegen oder gefallen ist — und setzt Gewinne und Verluste ins Verhältnis.

Das Ergebnis ist eine Zahl zwischen 0 und 100. Mehr brauchst du zunächst nicht zu wissen.

Was bedeuten die Werte?

RSI > 70

Überkauft

Die Aktie ist in kurzer Zeit stark gestiegen. Das Aufwärtspotenzial ist kurzfristig begrenzt — nicht zwingend ein Verkaufssignal, aber ein Warnsignal.

RSI < 30

Überverkauft

Die Aktie wurde stark abverkauft. Das kann eine Kaufchance sein — wenn der übergeordnete Trend intakt bleibt.

40–60

Neutral

Keine extreme Positionierung, kein klares Signal in die eine oder andere Richtung.

Wichtig: RSI unter 30 heißt nicht automatisch „jetzt kaufen". Er ist ein Hinweis, kein Befehl. Fallende Messer sehen im RSI oft genauso aus wie echte Böden.

RSI-Trend: steigend oder fallend

Noch wichtiger als der absolute Wert ist die Richtung. Signalfolio prüft, ob der RSI in den letzten zwei Handelstagen gestiegen ist — wir nennen das RSI-Momentum positiv.

RSI: 26 → 33 (steigend)

Überverkauft und Erholung beginnt — klassisches Einstiegssignal für Dip-Setups.

RSI: 68 → 59 (fallend)

Momentum schwindet — das Setup verschlechtert sich, vorsichtig sein.

Ein steigender RSI aus dem überverkauften Bereich ist das Kernsignal hinter Signalfolios Dip-Strategien. Zusätzlich prüft der Scanner, ob der RSI an mindestens 2 aufeinanderfolgenden Tagen strikt gestiegen ist — das schließt kurze Bounces aus.

Wie nutzt Signalfolio den RSI?

In allen 5 Scan-Strategien ist der RSI ein Pflichtfilter — mit unterschiedlichen Schwellwerten je nach Anlagestil. Das sind die exakten Werte aus dem Scanner:

StrategieRSI minRSI max
Solider Rücksetzer3552
Swing-Einstieg4258
Marktführer3855
Technische Stärke5068
Starker Rücksetzer3555

Praktisches Beispiel

Eine Aktie notiert 22 % unter ihrem Jahreshoch. Der RSI ist von 24 auf 34 gestiegen — war also überverkauft, zeigt jetzt Erholung. Das Volumen liegt 50 % über dem 20-Tage-Schnitt.

RSI

24 → 34

überverkauft + steigend

Dip

−22 %

im Zielbereich

Volumen

+50 %

über 20T-Schnitt

Signalfolio würde dieses Setup im Solider Rücksetzer-Scan anzeigen. Ob du kaufst, entscheidest du — das Werkzeug zeigt dir, wo es interessant wird.

RSI 45 steigend vs. RSI 45 fallend — wo ist der Unterschied?

Zwei Aktien, beide mit RSI 45. Auf den ersten Blick identisch — aber eine davon ist ein potenzielles Einstiegssignal, die andere ein Warnsignal. Der Unterschied liegt ausschließlich in der Richtung.

Aktie A — RSI 45, steigend

Vor 5 Tagen: RSI 34. Heute: RSI 45. Die Aktie erholt sich aus dem überverkauften Bereich — das Momentum dreht. Käufer kommen zurück.

BewertungMomentum positiv — Setup verbessert sich

Aktie B — RSI 45, fallend

Vor 5 Tagen: RSI 62. Heute: RSI 45. Die Aktie verliert Momentum — der Rücksetzer setzt sich fort. Noch kein Boden erkennbar.

BewertungMomentum negativ — abwarten

Signalfolio prüft deshalb nicht nur den aktuellen RSI-Wert, sondern ob er an mindestens 2 aufeinanderfolgenden Tagen gestiegen ist. Ein einzelner Anstieg kann Zufall sein — zwei konsekutive Steigungstage sind ein klares Signal für drehendes Momentum.

Häufige Fehler beim RSI-Trading

Fehler 1: RSI unter 30 = sofort kaufen

Ein RSI unter 30 bedeutet, dass die Aktie überverkauft ist — nicht, dass sie steigen wird. Fallende Messer haben oft wochenlang einen RSI unter 30. Entscheidend ist, ob der RSI anfängt zu drehen, nicht ob er einen bestimmten Wert unterschreitet.

Fehler 2: RSI ohne übergeordneten Trend nutzen

Der RSI ist ein Momentum-Indikator, kein Trendfilter. Eine Aktie im langfristigen Abwärtstrend kann über Monate hinweg zwischen RSI 20 und 50 pendeln — jeder RSI-Anstieg wäre ein Fehlsignal. Signalfolio kombiniert den RSI deshalb mit dem EMA-Status (EMA20/EMA50-Verhältnis), um den übergeordneten Trend zu filtern.

Fehler 3: Einen RSI-Wert für alle Situationen verwenden

RSI 30 als Kaufschwelle funktioniert für Dip-Setups, aber nicht für Momentum-Strategien. Ein Marktführer kauft man häufig bei RSI 50–65 — er kommt nie unter 30, weil der Markt ihn zu früh aufgreift. Verschiedene Strategien brauchen verschiedene RSI-Schwellen, wie die Tabelle oben zeigt.

Fehler 4: RSI allein als Entscheidungsgrundlage

Der RSI ist ein Filter, kein vollständiges System. Erst wenn RSI, Dip-Tiefe, Volumen und EMA-Status zusammenpassen, entsteht ein Setup mit überdurchschnittlichem Chance-Risiko-Verhältnis. Signalfolio prüft alle vier Kriterien gleichzeitig — ein einzelner Indikator reicht nicht.

Hinweis: Alle Inhalte auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Dies ist keine Anlageberatung gemäß § 34b WpHG. Investieren ist mit Verlustrisiken verbunden — vergangene Wertentwicklungen sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Nächster Schritt

RSI im Scanner nutzen

Sieh wie der RSI in der Praxis filtert — mit deinen eigenen Watchlist-Aktien.